Auf den Spuren der Industrie

1926

Röhr-Auto AG

Hans Gustav Röhr gründete am 30. Oktober 1926 mit finanzieller Unterstützung des Hauptaktionärs der MIAG, Hugo Greffenius aus Frankfurt am Main, die Röhr-Auto AG. Im selben Jahr übernahm die neugegründete Firma das Gelände der insolventen Falcon-Werke in Ober-Ramstadt.

Jedoch erwiesen sich die Werkshallen für eine Autoproduktion in großen Stückzahlen ungeeignet. Deshalb entwarf der Chefkonstrukteur Joseph Dauben einen Achtzylinder-Wagen, der sich auch in kleineren Stückzahlen finanziell rechnen sollte. In die Umsetzung des Projekts flossen die vielseitigen Erfahrungen ein, die Dauben und Röhr seit 1919 aus ersten Versuchswagen gewonnen hatten. Mit der Leichtbauweise, einem aus Stahlblech gefertigtem Tiefbett-Kastenrahmen war es der Flugzeugbau, der für die Straßenwagen neue Wege wies. Die niedrige Bauweise der Röhr-Wagen fiel auf – nun stieg man in das Automobil nicht mehr ein wie in eine Kutsche. Neu für die damalige Zeit waren auch die Zahnstangenlenkung sowie die vordere und hintere Einzelradaufhängung. Die außergewöhnlich guten Fahreigenschaften des Röhr 8 wurden von keinem anderen Fahrzeug erreicht. Ende des Jahres 1927 lief die erste Fertigung von einhundert Röhr 8 8/40 PS-Modellen an.

Das erste in größerer Serie gebaute Automobil aus Ober-Ramstadt war dann der Röhr 8 Typ R 9/50 PS. Er wurde offiziell 1928 auf der Automobilausstellung in Berlin vorgestellt. „Der sicherste Wagen der Welt“ verkündeten selbstbewusst Werbeschilder, die auf dem Stand der Röhr-Auto AG aufgestellt waren. Entsprechend große Aufmerksamkeit fanden die niedrigen Achtzylinder-Wagen von Röhr. Ihre Technik war richtungsweisend für die gesamte zukünftige Automobilentwicklung. Viele

Fachjournalisten taten sich schwer, die Konstruktion des Röhr 8 Typ R 9/50 PS genau zu beschreiben, so neuartig war dieses Automobil. Selbst im internationalen Autobau gab es nur eine Hand voll Hersteller, die bislang ähnliche Konstruktionen gewagt hatten. Nach dem Ende der Automesse meldete die Presse, dass 2.200 Röhr-Wagen in Auftrag gegeben worden seien. Tatsächlich war die Nachfrage für den Röhr 8 Typ R 9/50 PS zufriedenstellend und die Anwesenheit bei nahezu allen Europäischen Automobilausstellungen steigerte die Bekanntheit der Röhr-Auto AG. 1929 hatte das Automobilwerk etwa 800 Mitarbeiter und die Tagesproduktion lag bei etwa sechs Röhr-Wagen.

Neben dem Problem, in Ober-Ramstadt ein Automobilwerk mit all seinen komplexen logistischen Produktions- und Zulieferungsabläufen einzurichten, hatte das Unternehmen stets finanzielle Probleme.

Im Oktober 1930 stellte die Röhr-Auto AG auf dem Pariser Automobilsalon nochmals ein neues Modell vor. Der neue Röhr 8 Typ RA 10/55 PS übernahm die bewährte Bauweise seiner Vorgänger mit einem um 10 cm verlängerte Chassis. Zunächst blieb aber noch der Röhr 8 Typ R 9/50 PS in Produktion. Etwa 1.200 Röhr 8-Wagen wurden bis 1930 in Ober-Ramstadt gefertigt, dann erfasste die Weltwirtschaftskrise das Unternehmen und die Röhr-Auto AG musste Konkurs anmelden.

Röhr und sein unter Ludwig Dauben stehender Technikerstab, zu dessen „harten Kern“ inzwischen Otto Winkelmann, Walter Kurtze und Laurenz Niessen zählten, wechselten Anfang 1931 zu den Adler-Werken nach Frankfurt am Main Der Karriereweg dieses Teams sollte später noch zu Daimler-Benz nach Stuttgart führen.

Hans Gustav Röhr

Konstrukteur

Auf sein Betreiben wurde 1926 die Röhr-Auto AG gegründet. Röhr stammte aus einer Uerdinger Fabrikantenfamilie und war Pilot im Ersten Weltkrieg. Bekannt wurde er bei Röhr, Adler und Mercedes als innovativer Auto-Konstrukteur.

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Joseph Dauben

Konstrukteur

Seit 1912 mit Hans Gustav Röhr verbunden, war Joseph Dauben als fähiger Konstrukteur stets dessen „rechte Hand“. Er war Wegbegleiter bei Röhr, Adler und Mercedes und Ideengeber für die meisten Röhr-Modelle.

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Karl Schwarz

Einfahrer

Karl Schwarz aus Engelhofen war einer der Mitarbeiter, die aus Schwaben zu Röhr kamen. Tätig in der Einfahrabteilung war er bei den einschlägigen Sportfahrten als Fahrer aktiv und erfolgreich.

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