Auf den Spuren der Industrie

Hans Gustav Röhr

Konstrukteur

Auf Initiative von Hans Gustav Röhr wurde 1926 die Röhr-Auto AG gegründet. Er wurde am 10. Februar 1895 in Uerdingen geboren und war der älteste Sohn des Fabrikanten Gustav Röhr.

Früh interessierte sich Hans Gustav Röhr für die Fliegerei. Schon im Alter von 17 Jahren wagte er sich 1912 an die Konstruktion einer Flugmaschine bzw. eines „Aeroplan“, wie man damals sagte. Wohl aus Besorgnis um seinen Sohn und Nachfolger des Unternehmens beschloss sein Vater dessen fliegerische Ambitionen in möglichst sichere Bahnen lenken. Deshalb bat er Joseph Dauben, der zu dieser Zeit bei den Rheinischen Aerowerken GmbH in Düsseldorf als Konstrukteur arbeitete, seinen Sohn zu unterstützen. Mit dessen Hilfe gelang es tatsächlich, den Aeroplan zu bauen und erfolgreich in die Luft zu bringen. Die Schauflüge wurden vor dem Ersten Weltkrieg zur Sensation für die Bevölkerung in der Region Uerdingen.

Im Ersten Weltkrieg wurde Hans Gustav Röhr Kampfflieger. Seine Ausbildung erhielt er auf dem Griesheimer Sand bei Darmstadt. Nach dem Krieg gingen er und Joseph Dauben mit einer Anstellung bei der Priamus Automobilwerke GmbH in Köln wieder gemeinsame Wege. Nun konzentrierten sie sich auf den Automobilbau. Sie entwickelten und bauten 1919 ein „Flugzeug der Landstraße“. Es handelte sich um einen ersten Röhr-Versuchswagen mit revolutionärer Technik. In der Folgezeit wurden von Röhr und Dauben noch weitere experimentelle Fahrzeuge entwickelt. Ihre Konstruktionen zeigten eine eigene, innovative Handschrift: Die in Leichtbauweise hergestellten Fahrzeuge verfügten über einen Tiefbett-Kastenrahmen, Zahnstangenlenkung sowie Einzelradaufhängung und galten daher als revolutionär.

Die Bemühungen führten am 30. Oktober 1926 zur Gründung der Röhr-Auto AG in Ober-Ramstadt. Der ab 1927 gebaute Röhr 8 bekam durch seine wegweisende Bauweise nicht nur in der Fachwelt große Aufmerksamkeit. Hans Gustav Röhr wurde als innovativer Autokonstrukteur bekannt und mit ihm auch der eher bescheiden im Hintergrund agierende Joseph Dauben.

In Folge der Weltwirtschaftskrise verlies Röhr sein Unternehmen und wechselte mit seinem unter der Leitung von Joseph Dauben stehenden Technikerstab zu den Adler-Werken nach Frankfurt am Main. Das als konservativ geltende Bauprogramm der Adler-Werke wurde unter der Leitung von Röhr grundlegend erneuert. Nach internen Querelen übernahm Hans Gustav Röhr im September 1937 die Stelle eines Technischen Direktors bei Mercedes-Benz in Stuttgart. Ihn begleiteten wiederum Joseph Dauben und sein bewährtes Techniker-Team. Bei Mercedes-Benz begründeten sie mit der Baureihe W144 bis W 147 eine neue Modellfamilie, die mit Frontantrieb ausgestattet war, aber letztlich nicht in die Serienfertigung gelangte.

Daneben konstruierte Hans Gustav Röhr mit seinen Mitarbeitern unter anderem das Modell 400 V mit einem 4 Liter V-Achtzylinder und Hinterradantrieb.

Zusätzlich arbeiteten sie an einer Hinterachse für die berühmten Mercedes W 125 „Silberpfeile“ und an einem leistungsstarken Rennwagenmotor. Alle Projekte fanden durch den frühen Tod von Hans Gustav Röhr am 10. August 1937 ein unerwartetes Ende.

1926

Röhr-Auto AG

Die Röhr-Auto AG war einer der innovativsten Autoproduzenten der Weimarer Zeit und damals jedem Auto-Enthusiasten bekannt. Das Modell Röhr 8 wurde als „Der sicherste Wagen der Welt“ beworben.

→ Mehr