Karl Schwarz
Einfahrer
Karl Schwarz kam aus Schwaben zur Firma Röhr. Geboren in Engelhofen in der Nähe von Schwäbisch Hall hatte er eine Ausbildung als Mechaniker und Autoschlosser absolviert. Die Aussicht auf eine Anstellung führten ihn nach Ober-Ramstadt, wo er 1928 zunächst in der Hauptproduktion der Röhr AG arbeitete. Er wohnte in Ober-Ramstadt bei der Familie Kleppinger zur Untermiete. Bald wechselte er in die Einfahrabteilung der Röhr-Werke, weil sein technisches Verständnis und Talent auffielen.
Die Chassis der neu montierten Röhr 8 Wagen aller Typen wurden damals von den Mitarbeitern der Einfahrabteilung auf einer rund 250 km langen Strecke eingefahren. Dabei wurde von den Fahrern auffällige Mängel festgehalten und möglichst direkt behoben. Dieser Ablauf erfolgte vor der Karosseriemontage und war auch bei vielen anderen Autoherstellern Standard. Die Wagen wurden sehr schlicht mit einem Sitz und einer Windschutzscheibe ausgestattet. Bretter dienten als Kotflügel und eine Sandkiste beschwerte die Hinterachse. In dieser abenteuerlichen Verkleidung gingen die Einfahrer auf die Teststrecke durch den Odenwald. Die Mitarbeiter der Abteilung galten als versierte Fachleute und waren durch ihre auffälligen Fahrzeuge auch außerhalb des Werkes bekannt.
Nachdem die Röhr-Auto AG die Tore schloss, war Karl Schwarz etwa zwei Jahre als Chauffeur für einen Röhr-Kunden aus Göttingen tätig. Er hielt aber immer die Verbindung zu Ober-Ramstadt und seinen ehemaligen Kollegen.
Als die Verantwortlichen der Neue Röhr-Werke AG 1933 beschlossen, sich bei den damals populären Sportfahrten mit eigenen Werksteams zu beteiligen, wurde Karl Schwarz als Fahrer gewonnen. Sein erster Einsatz war bei der Motorsportveranstaltung „2000 km durch Deutschland“ im Juli 1933. Er fuhr die Strecke im Röhr gemeinsam mit dem sehr bekannten Illustrator und Pressezeichner Theo Matejko, der die aufregende Fahrt mit seinen dramatischen Zeichnungen für die Berliner Illustrierten Zeitung festhielt. Karl Schwarz wurde hierdurch bekannt und fuhr erfolgreich weitere Sportfahrten für das Markenteam Röhr.
Mit dem Aus der Neue Röhr-Werke AG wechselte er im Frühjahr 1935 als einer von etwa 80 Mitarbeitern zur Adam Opel AG nach Rüsselsheim. Karl Schwarz machte bei Opel Karriere und beendete sein Berufsleben 1973 schließlich als Leiter der Qualitätssicherung.