Joseph Dauben
Konstrukteur
Seit 1912 mit Hans Gustav Röhr verbunden war der am 4. Juni 1889 geborene Joseph Dauben als fähiger Konstrukteur und stets dessen “rechte Hand“. Der Lehrer-Sohn hatte seine ersten eigenen Erfahrungen mit dem Lehrbetrieb in einem Jesuiten-Internat im niederländischen Sittard gesammelt, an die sich fünf offenbar sehr erfolgreiche Jahre an einem humanistischen Gymnasium anschlossen. Als bester Schüler erhielt Dauben 1909 in Jülich neben dem Abitur auch noch den „Kaiserpreis“. Es folgten Praktika bei der Dürener Modellfabrik und bei der Maschinenfabrik Karl Klingelhöfer in Grevenbroich, bevor er 1910 das Studium an der renommierten Technischen Hochschule in Aachen antreten konnte. Leider zwangen ihn seine finanziellen Verhältnisse 1911 zum Abbruch des Studiums.
Dauben sammelte danach Erfahrungen als Konstrukteur bei den Rheinischen Aerowerken Düsseldorf, die mit der gerade erst erfundenen Technik der Flugapparate experimentierten. So war es ihm möglich, den jungen Hans Gustav Röhr aus Uerdingen beim Bau seines Aeroplans zu unterstützen.
Im Ersten Weltkrieg war Joseph Dauben nach kurzer militärischer Ausbildung bei Benz & Cie. in Mannheim als Konstrukteur in der Flugmotorenentwicklung beschäftigt. Zudem unterwies er als Lehrer an der Motorenschule Mannheim Flugschüler und Monteure.
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er zusammen mit Hans Gustav Röhr bei der Priamus Automobilwerke GmbH in Köln das „Flugzeug der Landstraße“, sprich den ersten Röhr Versuchswagen mit revolutionärer Technik. Danach war er zunächst bei verschiedenen Unternehmen, wie u.a. den Motorradherstellern Delta in Solingen, Mabeco und Windhoff in Berlin, tätig. 1926 wurde er Chefkonstrukteur der Röhr-Auto AG. Ohne Joseph Dauben hätte es die tiefgreifenden Innovationen der Röhr 8 Wagen wohl nicht gegeben.
Nach dem Aus der Röhr-Auto AG wechselte Dauben gemeinsam mit Hans Gustav Röhr und dem unter seiner Leitung stehenden Technikerstab zu den Frankfurter Adler-Werken an den Main. Dort wurden unter seiner entscheidenden Mitarbeit die Modelle Adler Trumpf, Trumpf Junior oder auch Diplomat konstruiert und in die Fertigung genommen. Das eher konservative Bauprogramm der Adler-Werke wurde unter der Verantwortung von Joseph Dauben grundlegend erneuert. So gilt der „Fronttriebler“ Adler Trumpf Junior mit etwa 100.000 Exemplaren (inklusive Lizenzproduktionen) als die erfolgreichste Röhr/Dauben-Konstruktion überhaupt. 1935 zogen Dauben, Röhr und die Techniker weiter zu Mercedes -enz in Stuttgart. Dort wurde unter anderen mit der Baureihe W144 bis W 147 eine neue Modellfamilie mit Frontantrieb entwickelt. Leider gelangte sie wohl auch durch den überraschenden Tod von Hans Gustav Röhr nie in die Serienfertigung.
Bis auf ein eher erzwungenes Intermezzo bei Turbomeca in Frankreich blieb Dauben nach dem Krieg bis zu seiner Pensionierung 1957 bei Mercedes-Benz. Der “Kopf“ hinter allen Röhr-Konstruktionen verstarb 1960.