Hans Blumenschein
Verdeckmacher und Sattler
Der Ober-Ramstädter Hans Blumenschein, geboren am 1. August 1898 in Gadernheim im Odenwald, arbeitete als Verdeckmacher und Sattler bei der Falcon-Werke AG. Später wurde er von der Röhr-Auto AG und der Neue Röhr-Werke AG übernommen. Er erzählte in seinem Büchlein „Erinnerungen aus meinem Leben“ über seine damaligen Erlebnisse, die hier im Ausschnitt korrigiert wiedergegeben werden:
„(...) Zu dieser Zeit wurden gerade die Falcon-Werke erbaut. Viele Opelarbeiter fingen in diesen Werken zu arbeiten an. Die Arbeit war, und das kann man ohne Übertreibung sagen, sehr schwer. Falcon baute seine gesamten Karosserien für die Fahrzeuge selbst. Nur einige Teile, wie zum Beispiel Verdeckspriegel wurden von Zulieferfirmen bezogen.
Bis jedoch alles so richtig in Schwung kam vergingen Monate.
Eines Tages besuchte mich ein Rüsselsheimer Arbeitskollege und schlug mir vor, dass ich doch bei den Falcon-Werken als Verdeckmacher anfangen könnte. Ich ließ mir das durch den Kopf gehen und sagte schließlich zu.
Zu Beginn des Jahres 1922 fing ich dann in den Falcon-Werken zu arbeiten an. Das erste Verdeck hatte ich erst innerhalb von drei Tagen fertiggestellt. Mit der Konstruktion der einzelnen Verdecke gab es zudem noch einige Schwierigkeiten.
So nach und nach klappte es jedoch immer besser. Pro Tag fertigte ich am Ende bis zu drei Verdecke an. Zu jener Zeit verdiente ich sehr viel Geld. Zunächst waren es 2,74 Mark die Stunde. Aber es ist zu erwähnen, dass dann die Inflationsrate recht hoch war. Wenn es Geld gab musste man sich sputen die Kost und die Logis zu bezahlen.“
Hans Blumenschein arbeitete für die beiden Röhr-Autofabriken meist in der Sattlerei in der Hundertmeterhalle. Wenn es die Arbeitslage erforderte, wurde er oft wochenlang an den wichtigen Zulieferer, die Ersten Darmstädter Karosseriewerkstätten – Georg Autenrieth, ausgeliehen. Dort war er vermutlich damit befasst, die Karosserieentwürfe mit den Verdecken abzustimmen. Es bestand also eine sehr enge Verbindung zwischen den Röhr-Werken und Autenrieth.
Nach dem Aus der Neue Röhr Werke AG wechselte Hans Blumenschein nun ganz zu Autenrieth in Darmstadt. Im August 1939 zunächst zum Kriegsdienst eingezogen, wurde er als Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges kurze Zeit später vom Dienst an der Waffe freigestellt und arbeitete in verschieden Betrieben der Region auch zusammen mit Kriegsgefangenen für die Rüstungswirtschaft. Hans Blumenschein betrieb nach dem Krieg im Breitensteinweg in Ober-Ramstadt ein Polster- und Sattlergeschäft.