Auf den Spuren der Industrie

1922

Falcon-Werke AG

Das Unternehmen wurde im August 1920 von den Ingenieuren Carl Au und Walter Stein in Durlach gegründet. Am 12 Juli 1921 traten Gottlieb Hartlieb und der Kaufmann Ludwig Sauber in die Gesellschaft ein. Das Ziel war, in Sontheim bei Heilbronn, wo Gottlieb Hartlieb eine größere Autowerkstatt betrieb, unter dem Markennamen Falcon eine Automobilproduktion aufzuziehen.

Da die Räume in Sontheim schon bald für den Bau von Autos nicht mehr ausreichten, suchten die Verantwortlichen nach einem größeren Werksgelände. Fündig wurden sie in Ober-Ramstadt, wo die dort ansässige Munitionsfabrik die Produktion einstellte. Anfang 1922 erwarb die von der Frankfurter Tellus AG finanzierte Firma Falcon-Werke AG den ehemaligen Rüstungsbetrieb. Noch im selben Jahr begann dort die Produktion des kleinen, sportlichen Falcon CA 6 6/20 PS – des ersten Automobils aus Ober-Ramstadt. Kurzzeitig wurde auch die Fertigung der Senator-Schreibmaschine weitergeführt, da man eine Produktionslizenz von Walbinger übernahm. Zusätzlich betrieb das Unternehmen eine mechanische Fertigung für Dreh- und Stanzteile, um in der schwierigen Anfangsphase auf mehreren Beinen zu stehen.

Auf Basis des Falcon CA 6 6/20 PS entstanden in Ober-Ramstadt auch mehrere Rennwagen, mit denen das Werk an Sportveranstaltungen teilnahm. Meist waren diese Wettbewerbe nur von regionaler Bedeutung, aber Falcon hatte sich bereits im September 1921 am Eröffnungsrennen auf der Berliner AVUS beteiligt. Der von Gottlieb Hartlieb gesteuerte Rennwagen nahm auf den Rennverlauf zwar keinen Einfluss, aber allein der Umstand, dass er das Rennen ohne Probleme durchstand, wurde als großer Erfolg gewertet.

Zunächst profitierte die Falcon-Werke AG von der starken Inflation, die die unmittelbare Nachkriegszeit bis 1924 prägte. Die Geldentwertung motivierte viele, eher wohlhabende Mitbürger, ihr bedrohtes Geldvermögen in Sachwerten anzulegen. Ehe man gar nichts mehr hatte, wurde es interessant, sich ein Automobil zuzulegen. Deshalb lief es auch für die Falcon-Werke AG zunächst gut.

Für die Falcon-Wagen aus Ober-Ramstadt sprachen zudem weitere Erfolge bei Rennsportveranstaltungen, die dem CA 6 6/20 PS dem Ruf eines robusten und zuverlässigen Automobils einbrachten. Voller Mut beschlossen die Verantwortlichen 1923, ein neues Modell zu produzieren – und dies in einer Zeit der galoppierenden Geldentwertung und der Ruhrbesetzung durch Frankreich, die bis in die Region Auswirkungen zeigte. Der sehr aufwändig und interessant konstruierte neue Typ T VI 6/30 PS wurde 1924 vorgestellt. Der neue Falcon war laut einem Werbeprospekt dazu bestimmt, „höchste Ansprüche zu befriedigen“. Der Wagen wurde zugleich das letzte Modell der Firma Falcon. Das Unternehmen geriet in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Als Mitte der 1920er Jahre die Einfuhrzölle für ausländische Automobile gesenkt wurden, verdrängten preisgünstige, in Massenfertigung hergestellte Fahrzeuge aus dem Ausland viele deutsche Hersteller vom Markt. Die Konkurrenzmodelle waren technisch oft besser als die noch in Einzelanfertigung hergestellten deutschen Fabrikate. In der deutschen Automobilindustrie setzte ein Massensterben ein, dem 1926 auch die Falcon-Werke AG in Ober-Ramstadt zum Opfer fiel. Etwa 400 Autos hatte die kleine Fabrik bis dahin gebaut. Gottlieb Hartlieb kehrte nach Sontheim zurück, betrieb dort eine Autowerkstatt und stellte eine Zeit lang die Ersatzteilversorgung für Falcon-Wagen sicher.

Hans Blumenschein

Verdeckmacher und Sattler

Der Ober-Ramstädter Hans Blumenschein wurde 1898 geboren. Er arbeitete als Verdeckmacher und Sattler bei Falcon und den Röhr-Werken. Er betrieb nach 1945 ein Polster- und Sattlergeschäft im Ort.

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Emil Retzbach

Werkmeister

Emil Retzbach war Wegbegleiter von Gottlieb Hartlieb, dem Direktor der Falcon-Werke AG. Er wechselte mit ihm 1922 von Sontheim nach Ober-Ramstadt. Der Auto-Konstrukteur nahm als Fahrer an Autorennen teil.

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