1931
Neue Röhr-Werke AG
Bei der Zwangsversteigerung im Juni 1931 erwarb die „Schweizerische Holdinggesellschaft für Automobilwerke AG“ aus Davos die Konkursmasse der Röhr-Auto AG. Das mit einem Aktienkapital von nur einer Million Reichsmark deutlich unterfinanzierte Unternehmen nannte sich nun Neue Röhr-Werke AG. Unter der neuen Technischen Leitung des vormaligen Betriebsdirektors Ernst Decker fertigte man ab April 1931 den Röhr 8 Typ RA 10/55 PS weiter. 1932 stellte das Unternehmen mit dem Röhr 8 Typ F 13/75 PS eine Weiterentwicklung vor, die in den Konstruktionsbüros von Porsche in Stuttgart erdacht war. Das Chassis des Typ F verfügte über einen nochmals um 10 cm verlängerten Radstand. Die Serienkarosserien lieferte – wie beim Vorgängermodell – die Firma Autenrieth in Darmstadt. Der neue Röhr galt in seiner Formgebung als sehr schönes und elegantes Fahrzeug.
Zum gleichen Zeitpunkt als die Produktion des neuen Modells anlief, beschloss der Vorstand, das Fahrzeugangebot in der unteren Mittelklasse zu erweitern. Um die hohen Entwicklungskosten zu sparen, übernahm Röhr schlichtweg die Lizenzproduktion des tschechischen Tatra Typ 75. Unter der Bezeichnung „Junior“ debütierte der kleine Röhr auf der Berliner Automobilausstellung von 1933. Alles in allem passte der kernige und robuste Mittelklassewagen mit seiner vorderen und hinteren Einzelradaufhängung gut zum Röhr 8 Typ F 13/75 PS.
1933 brachte die Machtergreifung der Nationalsozialisten große gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Partiell positive Auswirkungen hatte der Wegfall der KFZ-Steuern, der einen deutlichen Aufschwung in der Automobilbranche zur Folge hatte. In Ober-Ramstadt freute man sich über eine rege Nachfrage für den Röhr Junior. Der Verkauf des komfortablen Röhr 8 Typ F 13/75 PS lief dagegen nur schleppend. In dieser Situation beauftragte die Neue Röhr-Werke AG das Konstruktionsbüro Porsche damit, einen weiterentwickelten Achtzylinder-Wagens zu gestalten. Das neue Modell erhielt einen Kompressor, der die Motorleistung auf 100 PS anhob, und ein völlig neuartiges Drehstab-Federungssystem, das sich später im Volkswagen Käfer millionenfach bewährte. Mit diesen Innovationen wurde das Luxusmodell unter der Bezeichnung Röhr 8 Typ FK Olympier 13/75/100 PS zum Blickfang der Berliner Autoausstellung 1934. Doch aufgrund der hohen Produktionskosten und den sehr hohen Preisen wurde das Modell ein wirtschaftlicher Fehlschlag – insbesondere in einer Zeit, in der der NS-Staat den privaten Konsum zugunsten der Rüstungsproduktion zunehmend zurückdrängte. Viel besser lief der Röhr Junior. Jedoch fehlten bald die notwendigen Mittel, um die gesamte Röhr-Produktionsstrecken stärker zu rationalisieren. Als eine angedachte Fusion mit der Nationalen Automobilgesellschaft aus Berlin scheiterte und die Repressalien des NS-Regimes gegen die jüdischen Investoren aus der Schweiz einsetzten, war der Untergang besiegelt.
Der Konkurs konnte vor dem Amtsgericht in Darmstadt zwar noch abgewendet werden, aber das Werk wurde im Vergleichsverfahren ausgeschlachtet.
Am 9. März 1935 stellten die Neue-Röhr-Werke AG den letzten Röhr Junior fertig. Die Lizenz für diesen Wagen übernahm die Firma Stoewer in Stettin, die den Wagen noch unter dem Namen „Greif Junior“ bzw. „Greif“ bis in das Jahr 1939 im Programm hatte.