Auf den Spuren der Industrie

Karl Michael Knittel

Werbefachmann

Der 1904 in Memmingen im Allgäu geborene Karl Michael Knittel erhielt ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung. Im Anschluss zog es ihn nach Dessau zu den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken. Dort arbeitete er zunächst als Volontär für die Werbeabteilung. Bereits nach kurzer Zeit erkannte man im Unternehmen das große Talent des jungen Mitarbeiters und beförderte ihn zum Leiter der Werbeabteilung des bedeutenden Flugzeugherstellers.

Im Alter von etwa 23 Jahren machte sich Knittel als Werbeberater selbstständig und arbeitete freiberuflich für verschiedene kleinere Autohersteller. Zwischen 1929 und 1930 gestaltete er zum Beispiel die Werbung für die Sport- und Jagdwaffen der Mauser-Werke in Oberndorf/Neckar sowie für deren etwas skurrilen Einspurwagen, einer Art Motorrad mit Autokarosserie.

Ab 1932 zeichnete sich Karl Michael Knittel dann für die Werbung der Neue Röhr-Werke AG verantwortlich. Er prägte einen modernen Werbestil für das Unternehmen, das dadurch in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erlangte.

Für die Prospektwerbung der Neue Röhr-Werke AG konnte er damals bekannte Künstler gewinnen. Das prominente Fotostudio Dr. Paul Wolff & Tritschler aus Frankfurt am Main oder der herausragende Werbegrafiker Bernd Reuters aus Berlin prägten den Außenauftritt des Unternehmens.

Neben der Zeitungs- und Prospektwerbung war er auch für die Präsentation der Röhr-Wagen bei den damals sehr beliebten Messen, Wettfahrten und Automobilturnieren zuständig. Hier entstanden sehr eingängige Werbeslogans wie „Die Sicherheit selbst“ oder „Der sicherste Wagen der Welt“. Knittels Idee war es auch, an schlechten Straßen der Region Schilder mit der Botschaft „Für solche Straßen ist der Röhr 8 gemacht“ aufzustellen.

Neben dem Röhr 8 Typ F 13/75 PS wurde auf der Automobilausstellung in Berlin auch ein neuer Röhr-Mittelklassewagen vorgestellt. Ursprünglich war für den kleineren Wagen die Bezeichnung Röhr 4 vorgesehen. Auf sein Betreiben hin erhielt er aber den griffigeren Namen „Röhr Junior“. Diese Bezeichnung wurde später von anderen Autoherstellern für ihre kleineren Wagen übernommen.

Nach den Vorstellungen von Karl Michael Knittel wurde mit der Autenrieth-Stromlinienlimousine wohl das erste „Showcar“ produziert. Es diente bei der Vorstellung des Röhr 8 Typ F 13/75 PS auf einer Ausstellung als außergewöhnlicher Blickfang.

Nach dem Ende der Neue Röhr-Werke AG übernahm Karl Michael Knittel die Werbeabteilung des Luxus-Autoherstellers Maybach in Friedrichhafen.

Als Werbefachmann war er zudem für den Drahtseilbahn Hersteller Adolf Bleichert & Co. in Leipzig, für die Carl Zeiss AG in Jena, Agfa in München und viele andere tätig. Zum Ende seiner beruflichen Karriere war er Leiter des Büros der Berliner Werbeagentur WERBA KG in Frankfurt am Main. Er verstarb im Januar 1972.