1917
Munitionsfabrik Walbinger
Die Deutsche Munitionsfabrik Max Walbinger AG betrieb in Ersten Weltkrieg in Ober-Ramstadt mehrere Einzelbetriebe. Ab 1917 errichtete das Unternehmen im sumpfigen Ochsenbruch kurzerhand einen komplett neuen Hauptbetrieb. Ausgangspunkt war wohl auch der immer höhere Bedarf an Granaten bzw. Zündern, die das Kaiserliche Deutsche Heer in den Materialschlachten des Krieges einsetzten.
Es wird geschätzt, dass die Deutsche Munitionsfabrik in den Haupt- und Zweigwerken in Ober-Ramstadt rund 2.000 Beschäftigte hatte. Das Kriegsgeschäft boomte und so wurden im Ochsenbruch immer wieder neue Gebäude errichtet und Produktionserweiterungen vorgenommen. Zugleich übernahm das Unternehmen in der Stadt zahlreiche Liegenschaften und baute Werks-Wohnhäuser für seine Angestellten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, in der jungen Weimarer Republik und unter den Bedingungen des Versailler Vertrages versuchte Walbinger erfolglos, die Werke auf eine Friedensproduktion umzustellen. Jagdmunition und dazu eine Schreibmaschine mit dem schönen Namen „Senator“ vermochten das große Unternehmen jedoch nicht zu retten. Sicher wurde viel Hoffnung gerade in die Entwicklung der Schreibmaschine gesetzt: Konstruiert von einem Mitarbeiter, der sein Handwerk zuvor bei den Adler-Werken gelernt hatte, sollte die „Senator“ über einen auswechselbaren Typenkorb verfügen, in dem die Buchstabenschlegel gelagert waren. Das Gerät funktionierte jedoch niemals einwandfrei und konnte daher nie in die Serienfertigung gehen. Erschwerend kam hinzu, dass Max Walbinger als Profiteur des Krieges hohe Steuerforderungen zu begleichen hatte. Schon bald geriet der ehemalige Rüstungsbetrieb in Zahlungsschwierigkeiten und musste etwa zum Jahreswechsel 1921/22 das Gelände im „Ochsenbruch“ aufgeben.
Max Walbinger besaß nach Verkauf des Hauptwerkes noch die ehemalige Kammfabrik, die im Volksmund „Goldene Nudel“ am Ortseingang von Ober-Ramstadt. Hier gründete er zu Beginn der 1920er Jahre die Ober-Ramstädter Haarschmuck- und Celluloidwarenfabrik. Er wechselte damit in den für Ober-Ramstadt typischen Bereich der Kammmacher. Auch dies bescherte ihm jedoch kaum Erfolg. Im April 1929 meldeten die Odenwälder Nachrichten: „Die Ober-Ramstädter Kamm- und Celluloidwarenfabrik Max Walbinger ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und strebt einen Zwangsvergleich an. Ob dies noch möglich ist oder ob es zum Konkurs kommt, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden.“
Es gab jedoch keine Zukunft für die Fabrik. Max Walbinger musste endgültig Konkurs anmelden.