Auf den Spuren der Industrie

Max Walbinger

Unternehmer

Max Walbinger war 1911 Mitbegründer der Patronenhülsenfabrik Meuschel, Walbinger & Co. im elsässischen Bischweiler, welche Jagdmunition herstellte. Walbinger schied wegen interner Probleme noch im gleichen Jahr aus der Geschäftsführung aus, blieb aber wohl zunächst Teilhaber. 1915, mit der Gründung der Deutschen Munitionsfabrik Max Walbinger in Ober-Ramstadt, wagte er ein zweites Mal den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit. Das Werk agierte von Anfang an als reines Rüstungsunternehmen und nutzte dazu zunächst angemietete Räume in der Küchenmöbelfabrik Georg Schröbel.

An den Fronten des Ersten Weltkrieges wurde stetig Nachschub benötigt; deshalb florierte der Betrieb und der Raumbedarf nahm zu. In Ober-Ramstadt mussten weitere Räume für die Kriegsproduktion gefunden werden. Bald erwarb Walbinger die großzügigeren Gebäude einer stillgelegten Kammfabrik, heute als „Goldenen Nudel“ in Ober-Ramstadt bekannt. Zu dieser Fabrik gehörte auch ein zweigeschossiges Wohnhaus, welches er mit seiner Familie bewohnte. 1917 errichtete der Unternehmer auf der neu erworbenen Fläche im Ober-Ramstädter „Ochsenbruch“ einen komplett neuen Hauptbetrieb.

Kurz vor Ende des Krieges erkannt Walbinger, dass das profitable Geschäft mit Kriegsgütern versiegte. Er ließ daher Maschinen zur Fertigung ziviler Jagdmunition aus Bischweiler nach Ober-Ramstadt transportieren, die aber wenig später als französische Reparationsleistungen wieder demontiert wurden. Belastet durch hohe Steuerschulden, versuchte Walbinger sein Unternehmen zunächst zu erhalten, in dem er auf Schreibmaschinen umsattelte. Als dieses misslang, zog er sich auf die Immobilie der ehemaligen Kammfabrik am Ortseingang zurück und gründete die Ober-Ramstädter Haarschmuck- und Celluloidwarenfabrik Max Walbinger AG. Die veränderte Mode der Weimarer Zeit verengte jedoch auch den traditionellen Markt der Kammmacher. Als der Bubikopf und die Kurzhaarfrisur zunehmend Trend wurden, ging die Nachfrage deutlich zurück. 1925 musste auch seine jüngste Firma ihre Tore schließen. Dann verliert sich seine Spur – es wird erzählt, dass er verarmt starb.

1917

Munitionsfabrik Walbinger

Die Deutsche Munitionsfabrik Max Walbinger baute auf den sumpfigen Wiesen des Ochsenbruchs ab 1917 die ersten Industrieanlagen. Hergestellt wurden Zünder für Granaten, später – mit wenig Erfolg – Jagdmunition und Schreibmaschinen.

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Arbeiterinnen in der Munitionsfabrik

Die Arbeit in einer Munitionsfabrik war schwer und gefährlich. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurden immer mehr Frauen zur Kriegsproduktion herangezogen, bedienten nun Drehbänke und Bohrwerke in der Industrie.

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