1937
MIAG
Die MIAG Mühlenbau und Industrie AG war seit den frühen 1920er Jahren als einer der größten deutschen Hersteller für Industrieanlagen und Maschinenbau bekannt. Es handelte sich um eine Industrie-Holding, die 1921 in Frankfurt am Main unter der Ägide von Hugo Greffenius entstand. 1925 führte der Unternehmer seine eigene Firma mit vier traditionsreichen Mühlen- und Silobau-Produzenten – die Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt G. Luther AG (Braunschweig), Amme, Giesecke & Konegen (Braunschweig), Gebr. Seck (Dresden) und Kapler Maschinenfabrik AG (Berlin) – unter einem Dach zusammen und machte die MIAG zum Weltmarktführer. 1930 wurde der Hauptsitz des Unternehmens nach Braunschweig verlegt, wo die beiden größten Werke ansässig waren.
Mitte der 1930er Jahre diversifizierte das Unternehmen in den Fahrzeugbau. Die Sparte war zunächst in Bielefeld angesiedelt, zog dann aber 1937 auf das Werksgelände der insolventen Röhr-Werke in Ober-Ramstadt um. Gebaut wurden hier nun Zugmaschinen und Traktoren für den industriellen und landwirtschaftlichen Verkehr, aber auch fahrbare Kräne und kleinere, schon elektrische Förderfahrzeuge und Gabelstapler.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Unternehmen unter der Leitung des parteikonformen Hans Lerch (ehemals Hanomag) gleichgeschaltet und erhielt über die NS-Wehrwirtschaftsstellen zahlreiche Staatsaufträge für den Anlagen-, Maschinen- und Motorenbau. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war das Unternehmen durch enge Kontakte zur SS stark in die Kriegsproduktion von Panzern, kettengebundenen Sturmgeschützen und Flugzeugen eingebunden. Belegt ist, dass auch in Ober-Ramstadt Panzerteile hergestellt wurden. Dabei profitierte die MIAG massiv vom systematischen Einsatz von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Während im gesamten Konzern tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, mussten auch in Ober-Ramstadt vermutlich rund 24 Männer und Frauen u.a. aus Belgien, Frankreich, Polen und der Sowjetunion unter härtesten Bedingungen arbeiten. Hierzu betrieb die MIAG direkt auf dem Werksgelände am damaligen Neuweg 15 ein kleines, lokales Arbeitslager mit entsprechendem Wachpersonal.
Nach 1945 nutzte die MIAG noch bis 1953 einen kleineren Teil des Ochsenbruch-Areals und baute dort vor allem Zugmaschinen für den Wiederaufbau.