Auf den Spuren der Industrie

Zwangsarbeiter

Während der Zeit der NS-Diktatur kam es zum massenhaften Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern in der deutschen Wirtschaft. Sie entsprach menschenverachtender Sklaverei. Über 13 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus ganz Europa wurden im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten in der Rüstungs- und Kriegswirtschaft eingesetzt. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren entsprechend der NS-Rassenideologie durch strenge Hierarchien geprägt. Während Zwangsarbeitern, oft Kriegsgefangene aus westeuropäischen Staaten gewisse Freiheiten und eine zumindest knapp ausreichende Versorgung zugestanden wurden, galten jüdische KZ-Häftlinge und sog. Ostarbeiter aus Polen und der Sowjetunion als „Untermenschen“, die kaum Nahrung oder medizinische Versorgung erhielten und unter katastrophalsten Bedingungen in Lagern untergebracht waren. Oft mussten sie bis zur vollständigen Erschöpfung arbeiten. Die NS-Bürokratie zielte für viele auf eine „Vernichtung durch Arbeit“, so der zeitgenössische Begriff.

Der MIAG-Konzern setzte seit Kriegsbeginn flächendeckend Zwangsarbeiter ein. Für Ober-Ramstadt ist belegt, dass mindestens 24 Männer und Frauen u.a. aus Belgien, Frankreich, Polen und der Sowjetunion in einem eigenen Lager untergebracht waren, das direkt zwischen dem Werksgelände und den Wohngebieten lag. Auch für die Stadtbewohner war der Einsatz der Zwangsarbeiter also sichtbar.