Gustav Rupietta
Industriearbeiter
Quelle
Gustav Rupietta wurde am 15. Februar 1924 in Allenstein/Ostpreußen geboren und verbrachte hier seine Kindheit und Schulzeit. Als junger Mann wurde er zur Wehrmacht eingezogen und erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Als POW („Prisoner of War“) arbeitete er Anfang 1946 in Betheneville in der Nähe von Reims in Frankreich in einer Reifenvulkanisierfabrik der US Army.
Anfang 1946 wurde diese Einrichtung nach Ober-Ramstadt verlegt. Rund 250 Gefangenen wurde angeboten, für einige Monate dort zu arbeiten und im Gegenzug freigelassen zu werden. Diesen Handel gingen die meisten ehemaligen Soldaten ein. Über Umwege gelangten die arbeitswilligen POW so nach Ober-Ramstadt und wurden in Nieder-Ramstadt in den Räumen des heutigen Steinbruchtheaters untergebracht, das für viele längere Zeit ihr Zuhause werden sollte. Von dort wurden die Kriegsgefangenen für die erste Zeit mit Bussen oder LKWs zur Arbeit nach Ober-Ramstadt gefahren.
Gustav Rupietta erinnerte sich später, dass die Produktion im Tire Depot Mitte Mai 1946 in Schichtarbeit begann und die meisten POW bis zur Währungsreform im April 1948 dort verblieben. Danach suchten viele in der beginnenden Wirtschaftswunder-Zeit nach anderen Anstellungsmöglichkeiten, besonders wenn sie nach ihrer Freilassung in ihre Heimatorte zurückkehren konnten. Für die Familie von Gustav Rupietta war Ostpreußen nun ein Gebiet unter polnischer Verwaltung. Als Vertriebene suchten sie eine neue Heimstatt im Westen Deutschlands. Daher blieb Gustav Rupietta in Ober-Ramstadt und beim Tire Depot. Er arbeitete dort nach 1948 nun als Metallfacharbeiter, später leitete er als Industriemeister die Energiezentrale. 1952 heiratete er und gründete eine Familie. Er blieb auch später im Dienst der US Army und war bis zur Verrentung als Bauleiter für die verschiedensten Projekte und Einrichtungen tätig.
Obwohl in Ober-Ramstadt heimisch und in vielen Vereinen aktiv, fühlte er sich seiner ostpreußischen Heimat stets verbunden, genau wie mit seinen POW-Kameraden, deren Treffen er in Ober-Ramstadt bis ins hohe Alter organisierte. Gustav Rupietta verstarb im August 2015.